Kurzgeschichte Kurzgeschichten von Madrabour

Tagebuch - Juni 2003

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1.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Erwähnte ich gestern, daß ich für den heutigen Tag Kraft sammeln mußte? Nun, das war auch gut so! Heute ist bekanntlich der erste Juni, und was ist der erste Juni? Richtig! Kindertag! Zwar bin ich bei den Kindern in unserer näheren Umgebung kein Unbekannter mehr, so daß unser Wohnviertel zum ersten Juni weitgehend kinderfrei ist, aber die Stadt ist groß!
Also machte ich mich auf den Weg. Direkt vor der Haustür traf ich mein erstes Opfer. Entweder war es neu hier im Haus oder es war unbelehrbar. Ich tippe auf ersteres, da mir das Gesicht noch ziemlich unbekannt vorkam. Egal! Ich lies Gnade vor Recht ergehen und schenkte ihm nur ein Bonbon Marke Magenübel, natürlich selbgefertigt. Und wenn auch jedes vernünftige Kind heutzutage von Fremden keine Süßigkeiten mehr animmt, so stopfte sich das kleine Dreckschweinchen das Bonbon in den Mund und murmelete ein 'Danke!', nichtwissend, daß es den Rest des Tages auf dem Klo verbringen würde. Naja, Vernunft und Kind schließt sich bekanntlich aus. Ist ja bei vielen Erwachsenen ebenso.
Erwartungsgemäß mußte ich ein ganzens Stück laufen, bis ich ein paar weitere der Lärmbrüder fand. Dort verteilte ich großzügig weitere Magenübel's und auch meine neueste Erfindung: 'Schoki ohne Haare'. Wenn Du, liebes Tagebuch, Dich jetzt fragst, was an Schoki ohne Haare so besonderes ist, wo doch Schokolade eigentlich ohne Haare sein sollte, dann sei Dir gesagt, daß die kleinen Gören, welche von meiner Schokolade genascht haben, eine Zeit lang keinen Friseurbesuch mehr nötig haben werden.
Am nächsten Spielplatz gelang es mir dann tatsächlich noch, ein paar der Rotzer gegeneinander aufzuhetzen, so daß deren Eltern heute Abend ein paar schöne Schrammen und Platzwunden zu versorgen hatten. Auf meinem Rückweg kam ich durch eine kleine Gasse, in der es ziemlich ruhig war. Zu ruhig, dachte ich mir noch, als sich plötzlich ein Gebrüll erhob und mehr als ein Dutzend Bälger auf mich zugerannt kamen. Ich lieferte ihnen eine großartige Schlacht!
Nachdem ich dann nach Hause gehumpelt bin, mir meine Schrammen gereinigt und die Tomaten und Eier aus den Haaren gewaschen habe, bin ich natürlich sofort zu Dir, mein liebes Tagebuch, gekommen, um Dir alles zu erzählen, was ich hiermit getan habe. Nun habe ich ein Jahr bis zum nächsten Kindertag Zeit, um mir auszudenken, wie ich mich rächen werde.


Machs Gut, Dein Freund!



2.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute war mal wieder ein ausgesprochen langweiliger Tag. Ich mußte nämlich mal wieder auf Arbeit gehen. Dort habe ich hauptsächlich geschlafen. Mein patentiertes Wecksystem (eine Webcam und Bewegungsmeldersoftware am PC) sorgt dafür, daß ich immer, wenn sich jemand meiner Bürozelle nähert durch einen sanften Elektroschock aus dem Schlaf hochfahre und sofort extrem angespannt wirke. Das hat mir schon so manch anerkennenden Blick vom Chef eingetragen. Welche Chef sieht es nicht gerne, wenn jemand konzentriert arbeitet.
Ich hoffe, morgen passiert auf Arbeit was Spannenderes als heute (ja, liebes Tagebuch, morgen muß ich da schon wieder hin.. und übermorgen... und überübermorgen *würg*) und ich kann Dir was Tolles berichten.

Machs Gut, Dein Freund!



3.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute gabs im Büro ein wenig Action. Leider nicht für mich, sondern für den Typen in einer der Nachbarbürozellen. Angefangen hat alles damit, daß der Paketservice ein Päkchen brachte. Ich freute mich schon, daß mein neuer Bürokalender endlich gekommen wäre, aber Pustekuchen. Das Päckchen war für den Typ nebenan, der mir schon immer suspekt war. Der kam oft zu spät und wurde dann wie heute erstmal zum Chef zitiert. Naja, was geht mich fremdes Elend an!
Da ich ein wenig neugierig war, was der so am hellichten Tag für Päckchen ins Büro bekommt (vieleicht meinen Kalender?!?!?) hab ich über die Wand gelinst. Es war aber nur ein Telefon. Komischerweise hats in dem Augenblick gebimmelt, in dem der Typ das Teil ausgepackt hatte. Komisch. Leider kam dann grade irgend so eine Tussi, für die ich was kopieren sollte. Mist, so konnte ich keinen Lauschangriff starten.
Als ich so am Kopierer stehe, kommen auf einmal so ein paar andere Typen ins Büro. Tolle Schwarze Anzüge, weisse Hemden, schwarzer Schlips, grimmiger Blick und Sonnenbrillen. Sonnenbrillen? Im Büro? Na, jedenfalls scheinen es die Typen auf den Burschen aus meiner Nachbarzelle abgesehen zu haben. Der kommt plötzlich angestürtzt und rennt geduckt an mir vorbei und in ein Zimmer. Bumm, knallt die Tür zu.
Als hilfsbereiter Mensch zeige ich den Herren in schwarz natürlich, wohin der Knabe verschwunden ist. Der wird natürlich kurz darauf abgeführt. Dieser Milchbubi. Möchte mal wissen, was der angestellt hat. Hmm, vieleicht wird ja mein Nachbarbüro frei und es kommt jemand Sympatisches in die Nachbarzelle. Bevorzugt um die 20 und knackfrisch...*träum*


Machs Gut, Dein Freund!



4.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Da bin ich doch mal wieder einer falschen Verpsrechung aufgesessen! Ich habe mir nämlich heute in der Mittagspause mal nen Tetrapack Ice-Tea (falls Du kein Ausländisch kannst: ne Pappschachtel mit Eistee) geleistet. Die erste Entschäuschung gabs schonmal beim Aufmachen: War kein Eis drin, sondern Flüssigkeit. Ok, nach kurzem Nachdenken sah ich ein, daß der Fehler bei mir lag. War ja Eistee und kein Tee-Eis!
Und trotzdem: auch von eisigem Tee konnte nicht die rede sein, das Zeug war bestenfalls kühl. Zumindest am Anfang. Im Lauf des Tages wurde das Gesöff mit jedem Schluck wärmer. Das wäre an nem kalten Wintertag ja nicht direkt schlimm, aber ich habe mir bei der Affenhitze, die zur Zeit herrscht, den Eistee eigentlich gekauft, weil ich was Eis-Kaltes wollte.
Wenn Du nun meinst, liebes Tagebuch, daß das nur kühl bleibt, wenns im Kühlschrank steht oder wenn man viele Eiswürfel (hier würde auch der Begriff Würfeleis in Ordnung gehen) hinein tut, hast Du sicherlich recht. Aber das ist bei normalem Tee oder den diversen Erfrischungsgetränken und sogar bei ganz normalem Wasser genauso und keine große Kunst. Aber wenn Eistee draufsteht, erwarte ich automatisches Kühlbleiben. Naja, was solls, aus Fehlern lernt man...hoffentlich!


Machs Gut, Dein Freund!



5.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Habe....*gähn* grade ein paar Tabletten Schl...aaaafmittel...genommen...*schnarch*

Machs Gut, Dein Freund!



6.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Endlich Freitag! Natürlich wird der Tag entprechend seines Namens genutzt. Zwar mußte ich zwecks Stechuhrstecherei im Büro erscheinen, aber man kann auch im Büro prima frei machen. Außerdem könnte man eigentlich auch sich frei machen, da sich aber die jüngeren Damen und Herren strikt weigern und außerdem auch (überwiegend) ältere Damen- und Herrschaften arbeiten, laß ichs lieber auch bleiben.
Als erstes fand ein kleines Papierkugelfußballturnier statt. Erstmalig in der Geschichte unserer Papierkugelfußballturniere ging nix zu Bruch, ein äußerst trauriges Ergebnis also. Als nächstes gabs ein kleines Sektgelage in der neulich freigewordenen Bürozelle. Am Dienstag zieht dort eine neue Mitarbeiterin (*hoff*) oder ein neuer Mitarbeiter ein, welche/r dann wohl den Rest der Woche mit aufräumen beschäftig sein wird.
Danach war der Bürotag auch schon fast vorbei und wir mobbten nur noch ein wenig unsere Streber-Mitarbeiter. Wäre doch gelacht, wenn nicht am Ende der nächsten Woche wieder eine Bürozelle frei wird. Tja, und das wars auch schon wieder, der Freitag nähert sich dem Ende und die komplette Bürbelegschaft (ausgenommen die noch im Büro eingesperrten Strebermitarbeiter) geht in der Kneipe weitersaufen.

Machs Gut, Dein Freund!



7.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute bin ich auf ein paar merkwürdige Gestalten gestoßen. Sie schwebten in irgendwelchen Kapseln durchs All. Ich beamte sie an Bord meines Kreuzers und befreite sie aus ihren Kapseln, wo sie in einer Art Frostkapseln tiefgekühlt lagen. Als sie erwachten, streckten sie ihre langen Tentakeln nach mir aus. Ich wollte fliehen, aber eines der Tentakel berührte mich.
In diesem Augenblick verwandelte sich die Gestalten in die geilsten knackigen menschlichen Wesen, die ich je gesehen habe. Ich wollte mich ihnen grade nähern, als ich aus dem Schlaf, in den ich vorm Fernseher gefallen war, erwachte. Mist!


Machs Gut, Dein Freund!



8.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute schreibe ich Dir bereits am Nachmittag, da ich jetzt gleich ein wenig die nachbarlichen Garten ausspähen werde und ich heute abend wohl noch nicht dazu kommen werde, Dir darüber zu berichten. Falls überhaupt was Berichtenswertes dabei herausspringt. Warm genug wärs ja! Wie sagt man so schön: Nacktbadewetter! *lechz*

Machs Gut, Dein Freund!



9.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Meine gestrige Pirsch war leider erfolglos. Zwar gibts genug Swimmingpools in der Nähe, leider hat aber im ersten observierten Pool niemand gebadet und bei Nummer 2 gabs ne kleine (oder eher dicke, ja gewaltige) Überraschung. Hinter einer Hecke versteckt hörte ich das Erwartungen weckende Plätschern des Wassers und das glockenhelle Kichern meines Spähangriff-Opfers. Ich zückte also den Fotoapparat und schnellte hoch, um über die Hecke hinweg zu schauen und zu fotographieren.
Was ich jedoch erspähte, raubte mir alle Sinne! Statt eines nackten Körpers mit Traummaßen entdeckte ich einen Berg aus Fett umgeben von einem gewaltigen Zelt aus lappriger alter Haut. Ein Anblick, der jeder Beschreibung spottet, deswegen versuch ichs erst gar nicht, liebes Tagebuch!
Ich selbst bin leider erst wieder zu mir gekommen, als es bereits dunkel war. Ob ich mich jemals von diesem Schock erhole, kann ich noch nicht sagen. Vorerst werde ich jetzt (mir laufen beim Gedanken an das Ungetüm bereits wieder Schauer über den Rücken) das Gleiche tun wie gestern Abend: Mich besinnungslos trinken und auf Vergessen hoffen...

Machs Gut, Dein Freund!



10.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute nur kurz: Habe den Tag nach dem gestrigen Besäufnis im Wachkoma verbracht... hoff ich zumindest. Ich kann mich nämlich an nichts erinnern. Naja, zumindest hat sich niemand beschwert...bis jetzt. Merkwürdigerweise scheine ich auch auf Arbeit gewesen und dort kaum aufgefallen zu sein. Zumindest hat die Arbeitskollegin, die in unserem Haus wohnt und die ich beim abendlichen Post holen traf, nichts weiter gesagt und auch ganz normal gegrüßt.

Machs Gut, Dein Freund!



11.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Daß gestern auf Arbeit niemand mein Zustand aufgefallen ist, lag an einer neuen Kollegin. Wie ich Dir, liebes Tagebuch, ja bereits berichtete, ist vor einer Weile eine der Bürozellen freigeworden. Gestern ist dort nun wieder jemand eingezogen. Eine etwa 25-jährige Kollegin, blond und gut gebaut. Demzufolge waren die Männer im Büro damit beschäftigt, sich einzuschleimen und den dicken Max zu spielen, während die Damen kräftig am Ränke schmieden waren.
Das ging auch heute den ganzen Tag noch so weiter. Die Männer haben sich gegenseitig dabei überboten, sich selbst zu erniedrigen und die Frauen hocken fast den ganzen Tag zusammen und beklagen, daß sie keine Aufmerksamkeit mehr bekommen (von meinen geschickt installierten Abhöranlagen mal abgesehen, aber davon weiß natürlich keiner was, hahaha).
Ich selbst habe den Tag genutzt und mir von den herrenlos herumstehenden PCs die wichtigsten Daten zu kopieren, man weiß ja nie, wozu man sowas mal brauchen kann. Natürlich habe auch ich die neue Kollegin inspiziert... auf meine Weise. Warum läßt der Chef auch deren Personalakte so offen in seinem Büro rumliegen, während er selbst sabbernd durchs Büro streift. Naja, das wars auch schon wieder für heute, liebes Tagebuch!

Machs Gut, Dein Freund!



12.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Was für eine Hitze! Bei diesem Wetter bin ich zu faul, um Dir großartig zu schreiben. Ist eh nichts passiert am heutigen Tag. Alle waren nur auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen und auch ich habe mir ein paar Ventilatoren von den Kollegen geklaut. Außerdem hab ich mein Tonband mit Tastaturgeklapper und gelegentlichen Flüchen laufen lassen, so daß keiner der bestohlenen Mitarbeiter sich traute, mich beim 'Arbeiten' zu stören. Mein Schläfchen hab ich nur in der Mittagspause unterbrochen, um mich mit ein paar gekühlten Getränken aus der Kantine zu versorgen. Es zahlt sich übrigens aus, ein gutes Verhältnis zur Kantinenbedienung zu pflegen, den einige meiner Kollegen durften den ganzen Tag warme Limo trinken... hehehe!

Machs Gut, Dein Freund!



13.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Freitag der 13.! Zwar bin ich nicht abergläubig, aber natürlich heißt das nicht, daß ich diesen Tag nicht zu würdigen weiß. Und in unserem Büro würden die Meisten am liebsten zu Hause bleiben, da eigentlich allen an diesem Tag immer viele Unglücke zustoßen. Außer mir natürlich. Ich sorge schließlich dafür, daß nur den Anderen sowas zustößt.
So war es natürlich nicht verwunderlich, daß sich der heiße Inhalt der sorgfältig vorbereiteten Kaffeekanne über den Anzug eines Kollegen ergoß. Der eilig herbeigerufene Notdienst (heißer Kaffee tut verdammt weh... hab ich gehört) machte erstmal Bekanntschaft mit einer blockierten Türe, hatte aber seine blutende Nase schnell wieder im Griff.
Neben verklebenden Tastaturen, abstürzenden Computern (mechanisch und softwaremäßig), gelöschten Dateien und vorlagenvernichtenden Kopierern ist eigentlich nur noch ein Sache richtig berichtenswert:
Die Heimfahrt der zum Brand im Büro des Chefs (natürlich nur der Papierkorb, viel Qualm und kein Schaden, Chef ist und bleibt schließlich Chef) gerufenen Feuerwehr verzögerte sich aufgrund 'zufällig' geplatzter Reifen um ein paar Stunden. Daß an zwei Einsatzwagen jeweils alle Reifen kaputt gegangen waren, war sicher ebenfalls Zufall. Und daß in dieser Zeit die blöde Tankstelle abgefackelt ist, die neulich soviel Geld fürs Benzin von mir verlangt hatte, zeigt nur, daß man den Freitag den 13. wirklich ernst nehmen sollte.


Machs Gut, Dein Freund!



14.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute habe ich den ganzen Tag Kirschen gegessen. Die habe ich gestern auf dem Heimweg geklaut. Daß 'die Stare' dem Gartenbesitzer fast der ganze Baum an einem Tag leergeräumt hatten, wird diesen zwar gewundert haben, aber gestern war ja Freitag der 13.
Nach der Kirschenfresserei war mir zwar schlecht, aber dafür hatten viele Passanten des Fußweges vor meinem Fenster schöne rote Flecken auf ihren Klamotten. Hmm, da fällt mir auf, daß früher die Kirschen immer viel später reif waren. Naja, früher war eh alles anders.


Machs Gut, Dein Freund!



15.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Den heutigen Sonntag habe ich hauptsächlich dazu genutzt um Musik zu hören. Allerdings muß ich den Nachbarn mal bissel Rhytmusgefühl verklickern. Die haben mit ihren Besenstielen (oder was auch immer) kein einziges mal vernünftig den Takt getroffen. Naja, ich hab dann einfach bissel lauter gemacht, da wurde das Geklopfe prima übertönt.


Machs Gut, Dein Freund!



16.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Heute bin ich auf Firmenkosten ein wenig durch die Gegend gedüst. Eigentlich sollte ich für den Chef nur einen Brief in die 15 Kilometer entfernte Nachbarstadt schaffen, aber was kann ich dafür, daß die kürzeste Strecke gesperrt ist und die Autobahn (die nächstbeste Alternative, wer fährt schon offizielle Umleitungen) 10 mal so lang ist und ausgerechnet an diesem Tag überall Stau ist (die Warteschlangen an den Raststätten waren wirklich lang!).
Dafür daß ich den Brief trotz dieser Umstände schnell genug abgeliefert habe (der Rückweg dauerte solange) und trotzdem nur zwei Überstunden angefallen sind, brauch ich morgen erst zwei Stunden später ins Büro kommen. Die werden natürlich trotzdem bezahlt! Mein Chef kann manchmal wirklich ein Gönner sein!


Machs Gut, Dein Freund!



17.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Auf Arbeit war heute nix los. Die zwei Stunden, die ich heute länger zu Hause schlafen konnte haben mich noch müder gemacht, deswegen hab ich im Büro auch ertsmal bis zum Mittag ein Nickerchen gemacht. Der restliche Tag ging mit Minesweeper auch recht schnell vorbei. Auch auf meinem Heimweg ist nichts Nennenswertes vorgefallen, so daß ich Dir, liebes Tagebuch, heute nichts zu berichten habe. Naja, es kann ja nicht jeder Tag ein großes Abenteuer sein. Zugegeben, wäre ich mit gelegentlichen mittelgroßen Abenteuern auch schon zufrieden.


Machs Gut, Dein Freund!



18.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Gestern hab ich Dir ja was wegen eines Wunsches nach Abenteuer geschrieben. Nun, was mir heute passiert ist, ist zwar kein Abenteuer im eigentlichen Sinne, aber ein aufregendes Ereignis.
Wie immer wars im Büro recht langweilig. Als Mittags dann irgendwann die Post kam, war auch mal wieder was für mich dabei. War zwar nur ein Brief, aber besser als gar nix. Ich stellte als erstes fest, daß kein Absender auf dem Briefumschlag war, also vermutlich Werbung. Schade, dachte ich, aber was solls. Ich riß den Brief auf und fand... eine Karte. Na toll, das hätte der Absender auch mit weniger Porto verschicken können.
Auf den ersten Blick war die Karte dann auch noch leer. Erst bei genaueren hinsehen erkannte ich eine kleine Minischrift ganz links unten. Also wars vermutlich wirklich irgendeine neue Werbemasche. Ich wollte den gesamten Brief eigentlich schon wegwerfen, kramte dann aber doch eine Lupe hervor und las: Morgen abend unbedingt Tagesschau gucken! Tatsächlich Werbung! Das jetzt sogar die schnarchigen Öffentlich-Rechtlichen zu solchen Mitteln greifen! Pah!
Tja, mein liebes Tagebuch, dieses Ereignis hat mich wirklich etwas aufgeregt. Ich habe dann noch den Brief samt Karte in den Papierzerhäcksler geschmissen, das war auch noch aufregend. Wie Du siehst, tatsählich ein aufregender Tag!


Machs Gut, Dein Freund!



19.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Da ich nicht nur an Herbst-, Winter- und Frühjahrsmüdigkeit leide, sondern auch an Sommermüdigkeit, bin ich mal wieder vor der Glotze eingeschlafen. Durch ein lautes Geräusch schreckte ich plötzlich hoch. Pfui, da muß ich doch tatsächlich im Schlaf die ARD angemacht haben. Dabei liegt die bei mir auf Nummer 91, damit ich die nicht aus Versehen anschalte.Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau!
Panik! Wo war meine Fernbedingung. Verschwunden! In meiner Not stürzte ich an das Gerät und wollte grade Ausschalten, als vom Nachrichtensprecher mein Name genannt wurde. Hmm, ne Nachricht über jemanden, der genauso heißt wie ich? Ok, dann eben doch mal ARD. Der Sprecher erzählt irgendwelchen Quark über umwälzende Ereignisse, die für meinen Namensvetter eintreffen sollen. Als ich grade gedankenlos in der Nase popele, sagt der Sprecher plötzlich He, Du da, hör auf an Deiner Nase zu spielen und hör lieber zu! Schliesslich wird in vier Wochen für Dich alles anders, Du Rübennase! Und nun zum Wetter...
Tja, liebes Tagebuch, ich muß zugeben, daß ich etwas verdattert war. Ich zwickte mich (*AUA*) und merkte, daß ich tatsächlich munter sein mußte. Ich rief einen Arbeitskollegen an (der schaut immer Tagesschau, naja, er geht auch schon stramm auf die Rente zu!) und fragte, was er grade in den Nachrichten gesehen hätte. Natürlich nur das Übliche: Mord, Totschlag und Finanzkrisen allüberall.
Und während ich diese Zeilen hier schreibe, bin ich mir immer sicher, daß das Ganze wohl trotzdem nur ein Traum war... besser gesagt: ist, denn ich bin schließlich bis jetzt nicht aufgewacht. Aus diesem Grund wird es wohl am heutigen Tag keinen Eintrag in Dich geben, da ich das hier ja jetzt auch nur träume. Naja, hast Du eben Pech gehabt, nochmal schreib ich den ganzen Kram bestimmt nicht in Dich rein!


Machs Gut, Dein Freund!



20.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Mit Verwunderung laß ich grade den gestrigen Eintrag. Also muß ich zwischen meinem gestrigen Traum und dem Schreiben in Dich doch irgendwann aufgewacht sein. Ich hab zwar den ganzen Tag an nichts anderes als an den komischen Beitrag gestern Abend in der Tagesschau gedacht, aber das soll nix heißen. Es war trotzdem nur ein Traum! Ganz sicher! Klaro! Was auch sonst! Genau! Vergessen wir es!


Machs Gut, Dein Freund!



21.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Für den Sommeranfang, der ja laut Kalender heute ist, war eher durchwachsenes Wetter. Mal schien die Sonne, mal war alles bewölkt und es war einen Tick zu kühl. Da ich keine Lust hatte, heute in irgendeiner Form auf die Pirsch zu gehen, blieb ich zu Hause. Zum Fernsehen hatte ich keine richtige Lust, deswegen mußte ich die Zeit wohl anders totschlagen.
Damit die unter mir wohnenden Rentner, welche vorhin grade auf dem Balkon vesperten, wenigstens ein bissel Aufregung bekommen, goß ich erstmal meine Blumentöpfe (die Pflanzen, die mal da drin waren sind längst zu Asche zerfallen). Das Gezeter der Beiden ging mir dann aber schnell auf den Keks und ich schloß die Balkontüre wieder.
Danach hab ich ein wenig Möbel gerückt. Zwar stand danach wieder alles am alten Platz, aber das Klopfen von unten zeigt mir, daß das Geschiebe nicht ungehört verklungen ist.
Später lauschte ich ein wenig den Telefongesprächen meiner Hausmitbewohner (alle Geräte hab ich natürlich angezapft, der Langeweile muß man schliesslich vorbeugen), allerdings waren die Telefonate für einen Samstag eher mau. Kein Sex, keine Drogen, keine Affairen, gar nichts.
Als ich mitbekam, daß einer der Rentner von unten einen Klobesuch wagte, stattete auch ich dem Bad einen Besuch ab. Wenn man das Betätigen der Klospülung genau zur richtigen Zeit durchführt, gibts eine schöne Fontaine aus dem unteren Klo. Das dumpfe Geschimpfe von unten zeigte, daß ich Erfolg hatte.
So, liebes Tagebuch, ich werde jetzt vieleicht doch nochmal gucken, ob irgendwo jemand ein Sonnenwendfeuerchen entzündet hat. Kokeln macht Spass...


Machs Gut, Dein Freund!



22.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Das diesjährige Sonnenwendfeuer war wirklich nicht von schlechten Eltern. Kein Wunder, schliesslich war ich Mama und Papa gleichzeitig! Nun, wieder ein Dorf auf der Landkarte weniger. Wozu braucht ein Kaff von höchstens 100 Seelen eigentlich drei Tankstellen? Na, egal! Falls Du, liebes Tagebuch, Dir nun um die Einwohner des Dorfes Sorgen machst, kann ich Dich beruhigen: Das kleinere Feuer, welches ich eine Stunde vorher auf dem Feld vor dem Dorf gelegt hatte, hat tatsächlich alle Einwohner herausgelockt. Die werden schon wieder irgendwo unterkommen.


Machs Gut, Dein Freund!



23.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Nach dem Arbeitstag hab ich mir ausnahmsweise mal eine Tageszeitung geleistet. Die Titelseite muß ich unbedingt in irgendein Album kleben: Verheerendes Feuer vernichtet Dorf mit ältestem Baum Deutschlands - Ursache des Feuers noch unbekannt. Hmm, ob ich denen mal einen netten Leserbrief schreiben soll? Allerdings würde das wieder einen Haufen Zeit und gute Tinte (welche ich lieber für Dich aufspare) kosten. Also lieber doch nicht...


Machs Gut, Dein Freund!



24.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Irgendwie werden die Tage langweilig. Heute ist z.B. gar nix passiert. Und da es schon wieder so ne drückende Hitze draußen war, hatte auch niemand richtig Lust irgendwas zu organisieren. Also verbrachten alle den Tag im Büro mit dem Versuch, sich möglichst wenig zu bewegen. Schliesslich ging aber auch dieser Tag vorbei und ich... *schab*.. Sorry, liebes Tagebuch, daß ich kurz mit Bleistift weiterschreibe, meine Tinte ist alle. Ich geh morgen neue Patronen für den Füller kaufen, bis dahin mach ich erstmal Pause.


Machs Gut, Dein Freund!



25.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

So, schöne neue Tinte, wie immer Königsblau! Damit ist wohl ein Jahr Tagebucheinträge gesichert, denn ich hab mir gleich ne Großpackung gekauft. Bei 2000 Tintenpatronen gibt es eben richtig fett Rabatt! Allerdings habe ich den ganzen Tag damit verbracht, den billigsten Markt zu finden und ansonsten nichts weiter Schreibenswertes erlebt. Das war aber immer noch besser als den ganzen Tag im Büro zu sitzen und nichts zu tun. Was für ein 'Zufall', daß fast immer ich ausgelost werde, Büromaterial für den Chef zu kaufen. Die Mühe, nach den billigsten Patronen zu suchen, hätte ich mir eigentlich sparen können, da ichs eh auf Firmenrechnung schreibe. Aber irgendein Hobby muß der Mensch ja haben.


Machs Gut, Dein Freund!



26.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Entweder ist die billigste Tinte nicht immer die beste oder ich hatte einfach Pech. Jedenfalls hätte eine der Patronen Dich, mein liebes Tagebuch, fast zu einem Haufen blauer Seiten verwandelt! Als ich gerade dabei war, eine neue Patrone in den Füllfederhalter einzusetzen, rutsche ich irgendwie beim Eindrücken ab und die Patrone riß auf. Zum Glück liefen die ersten Tropfen in den Füller rein und dann war ich schnell genug am Klobecken, wo sich der Rest der Tinte hineinergoß.
Nun war das Innere der Kloschlüssel blau (ich hätte nich gedacht, das so viel Tinte in so eine kleine Patrone hineinpasst), aber besser als wenn es Dich, liebes Tagebuch, getroffen hätte. Um die Sauerei wegzubekommen drückte ich die Klospülung. Leider war das Klo mal wieder verstopft, so daß der Wasserspiegel schnell anstieg. Die Tinte, die nun eigentlich das Wasser hätte tiefblau (bzw. königsblau) färben müssen, bildete so ein Art Würsteln. Fast vermeinte ich, daß sich eine Art Schrift formte. Ja, ich dachte sogar kurz, etwas zu lesen:Noch drei Wochen,Du Rübennase. Plötzlich gab das Klo mit einem Flutschen nach und das Wasser machte samt Tinte den Abgang, den ich eigentlich geplant hatte.
Den Füller konnte ich, wie Du, liebes Tagebuch, ja merkst, so reinigen, daß ich Dir damit weiterhin meine tollen Erlebnisse schildern kann.

Machs Gut, Dein Freund!



27.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Tut mir leid, daß ich Dir schon den vierten Tag in Folge etwas über Tinte erzähle, aber ich habe heute was witziges im Frühstücks-TV gesehen, was ich selbst gleich testen mußte: Da war irgendein Psychologe, der hat irgendwelche Tintenkleckse in ein Blatt Papier gemacht, diese zusammen- und wieder auseinandergefaltet und seine Patienten mußten sagen, was sie darauf erkennen.
Auf Arbeit haben ich das mit ein Kollegen auch eine Weile gespielt. Als uns das aber zu langweilig wurde, haben wir statt Papier lieber die weißen Hemden von ein paar anderen Kollegen benutzt, die wir eh regelmäßig mobben. Ich glaube, über unsre Mobbing-Kollegen habe ich Dir schon mal was erzählt, nicht jedoch, das wir die neuerdings immer die Mobby's nennen.
Wenn man gut zielte, bekam man auf den Rücken des jeweiligen Mobby's einen schönen Fleck, ohne das er (der Mobby, nicht der Fleck) überhaupt etwas davon mitbekam. Nun, zu Hause wird er es dann schon mitbekommen haben.
Mobby I trug einen dicken blauen Elefanten nach Hause, Mobby II brachte es auf einen Wal und Mobby III auf den Eifelturm (ich hatte mir beim Patroneausspritzen besonders Mühe gegeben). Nur bei Mobby IV konnten wir uns nicht einigen, während einige meinten, es wäre eine Pferd, sagten andere es sei ein Esel. Wir einigten uns schliesslich auf Maultier und so bekam Mobby IV gleich einen weiteren Spitznamen.
Tja, liebes Tagebuch, und während ich Dir diese Zeilen schreibe, frage ich mich, ob Tintenflecke recht schwer aus weissen Hemden raus zu bekommen sind. Na, ich hoffe doch sehr!

Machs Gut, Dein Freund!



28.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Als ich heute früh versuchte, ein neues Bild an meine Wand zu hängen, bin ich vom Hocker gefallen. Ich habe mir dabei mächtig den Kopf gestoßen und bin ins Koma gefallen. Als ich vor zehn Minuten wieder aufwachte, war es bereits 22.47 Uhr. Das nur zur Info, warum der Eintrag heute so kurz ist und jetzt schon wieder endet.

Machs Gut, Dein Freund!



29.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Kopfschmerzen! Und das den halben Sonntag! Naja, ich habe mit ner Flasche Tequila, einem Fässchen Salz und einem guten Dutzend Zitronen Abhilfe geschafft. Nun, vermutlich habe ich die Kopfschmerzen nur auf den morgigen Arbeitstag verschoben, aber egal. Als ich meine Kopfschmerzen weggetrunken hatte, bin ich noch bissel durch die Gärten gezogen und hab mich mit allen möglichen Gemüse- und Obstsorten verpflegt. Einkaufen muß nicht immer teuer sein!
Ich werde mir dann gleich mein Abendbrot zubereiten: Tequila-Erbsen mit Rotwein-Kartoffeln auf Weinbrand-Brot. Dazu gibts Wermut-Cola, als Nachtisch Erdbeeren in Kirschbrand. Und danach werde ich noch ein bissel rum-gurken...

Machs Gut, Dein Freund!



30.Juni.2003

Liebes Tagebuch!

Meinen Rausch konnte ich heute auf Arbeit erstaunlich gut ausschlafen und von Kopfschmerzen gabs keine Spur. Ich hatte gestern Abend wohl die richtige Mischung erwischt. Kurz vor Feierabend hab ich mich noch mit ein paar Kollegen zusammengesetzt, um einen kleinen Umtrunk zu nehmen. Dabei sind wir auf nette kleine Idee gekommen, von der ich Dir morgen berichten werde, da ich jetzt viel zu müde bin.

Machs Gut, Dein Freund!



Letze Änderung: 20.11.2009

Zitat der Woche:

Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.


Kurt Tucholsky
Madrabours Eck
luegipedia.de Radebeul - Zitzschewig Madrabours Kurzgeschichten II