Kurzgeschichte Kurzgeschichten von Madrabour

Die böse Kuh


Es war ein mal ein Edi-Bauer
der dacht er wär'n besonders schlauer.

Im Stall hatt' er zwei schöne Kühe,
die sparten ihm so manche Mühe.

Im Frühling sie die Egge zogen,
und das ganz grad' und nicht im Bogen.

Auch gaben sie dem Bauernknilch
stets leckerste und frische Milch.

Er glaubte nicht an Gott und Tempel
und hielt das alles nur für Krempel.

Während er über die Felder wachte,
er über die Geschichten lachte,

die andre über Gott berichtet.
Er sagte nur: "Die sind erdichtet."

Doch eines nachts hörte er "Muh"
und dacht' es sei die eigne Kuh!

Er lief ganz schnell zum Stalle hin,
da kam ihm plötzlich in den Sinn:

'Das Muh kam doch von ganz hoch droben!'
drum blickt der Edi nun nach oben.

Höher als der höchste Baum
- er hoffte nur es sei ein Traum -

sah er ne ries'ge Kreatur,
und dachte sich "Was mach ich nur?".

Es sah ne Riesenkuh dort stehen,
und als sie pupste, tat es wehen!

Nun zeigt die Kuh auf Bauer's Speicher,
des Edis Knie wurden weicher.

Dann zeigt sie noch auf ihren Bauch
und auf das Maul, da zeigt sie auch.

Da wurd dem Edibauern klar
das die Kuh wohl hungrig war!

Er holte Weizen zum Mehl mahlen
doch geistig litt er Höllenqualen!

Nun backte er ein schönes Brot,
der Schweiss, er lief, der Kopf war rot.

Der Edi war ein guter Bäcker,
drum roch es bald wirklich sehr lecker.

Da rief die Kuh ganz furchtbar "Wo' se?"
Und meinte wohl ne leck're Sosse!

Die gab der Edi ungern raus,
war doch gedacht für eig'nen Schmaus!

Die Kuh hob nun den Bauern an,
er wusste schon: "Jetzt bin ich dran!"

Sie riss dem Bauern nun, oh Grauss,
erst Arme und dann Beine aus!

Der Edi schrie, weinte und flehte:
"Von nun an ich auch immer bete!"

Doch war die Kuh nunmal sehr bös'
vom Schmerz hat sie ihn nicht erlöst.

Satt dessen war sie sehr gemein
und tunkt ihn in die Sosse rein.

Dann legt sie ihn aufs frische Brot.
Der Edi? Immer noch nicht tot!

Die Arm und Beine sie dann brutzelt,
danach werden sie 'abgezutzelt'.

Nachdem die Nahrung zubereitet
die MuhKuh nun zum essen schreitet.

Der Edi nun zum letzten Male wimmert,
am Berg derweil die Sonne schimmert!

Es war danach ganz still nur kurz,
erst gabs nen Rülps und dann nen Furz.

Zum Schluss aufs Haus die Kuh tat kacken,
dort würde nie mehr jemand backen.

Was für den Bauern Schmerz und Schreck,
war für die Kuh nur 'n kleiner Snack!

Da näherte sich vom Weltenrand
'ne blutigrote Götterhand.

Die Kuh hatte dann nix zu maulen,
die Hand tat sie nämlich nur kraulen.

Als Lohn für dieses schlechte Tun
durfte die Kreatur nun ruhn'.

Drum solltest Du immer dran denken:
"Auch bösen Göttern Glauben schenken!"

^Hop to the TOP^



Letze Änderung: 20.11.2009

Zitat der Woche:

Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.


Kurt Tucholsky
Madrabours Eck
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